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Mittwoch, 7. Juni 2017

Passierschein A38

Ich freu mich doch immer wieder, wenn in einem Unternehmen die Mitarbeiter auf der einen Seite Freiheiten, flexibles Arbeiten, moderne Führung und tolle Rahmenbedingungen (von oben) einfordern, sich dann aber gerne auch "BR-konform" verhalten und auf Betriebsvereinbarungen und Paragraphen berufen, wenn es gerade bequem ist. "Das steht nicht in meinem Arbeitesvertrag" oder "da muss der BR erst zustimmen", sind immer wieder "gerne" gehörte Sätze.

Als Führungskraft freue ich mich doch immer wieder über die Bürokratie mit derm man so seinen Tag verbringen kann. Und es ist dann ja auch Führungsaufgabe, denn wenn es nicht von oben kommt macht ja keiner was oder man muss sich vorwefen lassen es nicht offiziell geklärt zu haben. Ach, wie war das nochmal mit der Flexibilität und modernem Arbeiten.

Eins meiner Lieblingszitate passt hier hervorragend: "Bürokratie ist ein Ausdruck von undisziplinierten Menschen". Und das erinnert mich doch stark an folgende legendäre Szene:



Scheint dann ja irgendwie doch in der Natur des Menschen zu liegen. Also nicht nur Führungskräfte erzeugen Bullshit... Mitarbeiter durchaus auch. Stromberg würde sich freuen. ;-)



Donnerstag, 15. September 2016

Bullshitjob - Hofnarren des Kapitalismus

Hofnarren des Kapitalismus. Einfach eine wunderbare Formulierung. Danke für diesen Impuls.

Die beiden folgenden Sätze aus dem Artikel beschreiben aus meiner Sicht das was gesagt werden muss am besten:

"Sie wird ersetzt durch gesellschaftlich sinnlose Arbeit, so erkennbar hirnrissig, dass die Arbeitenden unmöglich selbst noch an sie glauben können."

"Die größten Arbeitssurrogate sind die, die eine Identifikation mit den Reichen und Mächtigen befördern. Es sind die Jobs der Unternehmensberater, der Fachanwälte für Gesellschaftsrecht, der Marketingspezialisten, der promovierten Finanzjongleure. Die Bullshitjobber sind die Hofnarren des Kapitalismus."

Mal unabhängig von der gesellschaftlichen Relevanz. Schauen wir mal nur auf den Mikrokosmos oder Pralleluniversum, den Maßstab überlasse ich euch, eines Unternehmens. Welchen Impact auf die Weiterentwicklung des Unternehmens oder die Generierung von tatsächlichem Mehrwert haben den viele Tätigkeiten oder gar ganze Jobs? Vielleicht ist der Job des Compliance Officers für ein Unternehmen mit Blick auf Datenschutz richtig, aber man muss genau drauf schauen was getan wird. Natürlich brauchen wir ein Gremium das sich mit der Freigabe von IT-Geldern beschäftigt. Wir müssen uns auch in Meetings treffen und abstimmen. Und man braucht auch mal eine Telko. Und je größer ein Unternehmen wird, desto mehr steigen die Administrationsaufgaben (vermutlich exponentiell zum Umsatz).
Problematisch und zum Bullshitjob wird es aber, wenn die Aufgaben, rational gesehen, > 50% an Selbstadimistration, Rechtertigungsaufgaben, rückwärtsgewandten Analysen und Schuldzuweisungen oder -abweisungen, übersteigt. Wenn ich den ganzen Tag nur damit beschäftigt bin Formulare auszufüllen, damit irgendjemand sagen kann er hat in irgendeinem Prozess irgendwo einen Harken. Wenn wir 8 h PPT malen, um Dinge zu erklären die man in 15 min auf der Tonspur hätte erklären oder mit gesundem Menschenverstand beantworten können. Wenn wir uns in Meetings setzen und sich keiner zuhört, weil alle in der Zeit ihr Mails beantworten (müssen), weil das sonst nicht schaffbar ist. Wenn wir Emotionen und Behauptungen anderer Bereiche - die keine Ahnung von unseren Job haben -  widerlegen müssen, anstatt uns mit der Optimierung und Weiterentwicklung unserer eigentlichen Aufgaben zu beschäftigen. Das ist alles tote Zeit, die nichts produziert.

Und da hab ich die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz tatsächlich noch überhaupt nicht beantwortet, sondern ja bewusst ausgeklammert.

Ich sag nicht, dass alle Unternehmensberater unnötig sind. Wenn sie einen Mehrwert liefern, bspw aufgrund von Expertise die im Unternehmen selbst nicht abgedeckt werden. Wenn wir aber Unternehmensberater engagieren die nur dazu da sind Entscheidungen oder Machtpositionen zu rechtfertigen, dann wird es zur reinen Selbstbeschäftigung, Nein, Selbstbefriedigung. Dann sind wir wieder beim Narzissmus und der Opportunität als "Fähnchen im Wind".

Und dann bin ich wieder beim zweiten Satz (s.o.): Jobs/ Tätigkeiten die die Identifikation mit den Reichen und Mächtigen befördern. Nicht nur Hofnarren des Kapitalismus, eher Sklaven der eigenen Unfreiheit, der eigenen kleinen Persönlichkeit und dem eigenen Mangel an Werten.

Es muss nicht jeder Brunnen bauen in Afrika. Aber lasst uns aufhören mit der rückwärtsgewandten und politischen Selbstbeschäftigung zur Befriedigung irgendwelcher Egos (im Zweifel der Eigenen). Das ist tote Zeit. Das ist Bullshit. Trefft Entscheidungen die dem Unternehmen (Parallel-Gesellschaft) weiterhelfen. Besser entscheiden, als nicht entscheiden. Machen! Einfach machen! Und lasst die Leute dabei auch Fehler machen. Lasst die Menschen selbst entscheiden. Als Führungskraft muss ich meinen Menschen das Warum erklären und beim Wie helfen. Das Was sollten sie selbst am besten können.
Und wer es dabei noch schafft sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, jeden Tag versucht einen besseren Job zu machen als gestern und dabei Herausforderungen als Chance sieht und positiv damit umgeht (Lächeln!), dann ist jeder Job kein Bullshitjob, sondern sinnvoll (wenn auch vllt nur im Mikrokosmos). Fragt euch jeden Tag, wenn das mein Laden wäre "what's in for me".

Oder wir fangen alle an in Afrika Brunnen zu bohren. Das wäre auch nicht schlimm. ;-)

Hier der Link zum Artikel auf Zeit-Online:
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-08/david-graeber-berufe-bullshitjobs-unternehmensberater/komplettansicht

btw: Im Mittelteil wird es etwas dünn in der Argumentation. Aber die Grundaussage bleibt die gleiche. ;-) 

#Bullshitjobs #Businesskasper

Dienstag, 1. September 2015

BS; nicht nur branchen- und länderübergreifend, sondern auch generationenweit.


C Northcote Parkinson: Parkinsons Gesetz und andere Untersuchungen über die Verwaltung

BBSB ist nicht nur, wie im <Über Uns> erwähnt, international gültig, sondern sogar historisch nachweisbar... Moment, ich ersetze "nachweisbar" durch: "wurde bereits als Problem erkannt und beschrieben".
Gesetz der Trivialität:“The time spent on any item of the agenda will be in inverse proportion to the sum involved.”„Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit ist umgekehrt proportional zu den jeweiligen Kosten.“
Parkinson schildert die Sitzung eines Finanzausschusses, in der es um die Bewilligung der Gelder für einen Atomreaktor (10 Mio. $, Diskussionsdauer 2 ½ Minuten), einen Fahrradunterstand (2.350 $, 45 Minuten) und Kaffee für die Sitzungen eines anderen Ausschusses (monatlich 4,75 $, 5 ¼ Stunden) geht.
Das bedeutet, in Diskussionen werden die einfachsten Themen am ausführlichsten diskutiert, weil davon die meisten Teilnehmer etwas verstehen (The matters most debated in a deliberative body tend to be the minor ones where everybody understands the issues) – und nicht die Themen, die am wichtigsten sind.[2] Inkompetenz in wichtigen Sachfragen wird durch ausführliche Wortmeldungen zu trivialen Punkten kompensiert, wodurch es immer wieder zu verheerenden Fehlentscheidungen und Fehlallokation von Ressourcen komme.
(Quelle: de.wikipedia.org)

Parkinsons Gesetz, obwohl bereits 1957 erschienen, ist ein durch und durch modernes Werk und zugleich ein Meisterwerk englischen Humors. In Form humorvoller Wissenschaft trifft C. Northcote Parkinson folgende Feststellung: Auch wenn der zu verwaltende Gegenstand kleiner wird, nimmt die Anzahl an Beamten und Angestellten für dessen Verwaltung in einem festen statistischen Verhältnis zu. [..]

So beschäftigt er sich mit Fragen wie z.B.: - Bei welcher Mitgliederzahl beginnt eine Regierung handlungsunfähig zu werden? - Wie steht es mit dem Verhältnis zwischen der Höhe einer Etatposition und der in der Diskussion darauf verwandten Zeit in einem Finanzausschuss? - Warum werden die Gebäude von Ministerien und andere Bauten der Staatsrepräsentation meist genau dann fertig, wenn die Bewohner und ihre Aufgaben schon auf dem absteigenden Ast sind? - Welches ist die beste Methode, um einen leitenden Manager zum freiwilligen Pensionierungsantrag zu bringen?

Aus dem Inhalt: PARKINSONS GESETZ oder die wachsende Pyramide / DIE ENGERE WAHL oder Prinzipien der Begabtenauslese / DIREKTOREN UND KABINETTE oder der Koeffizient der Unfähigkeit / [..] / HOCHFINANZ oder der Punkt, an dem das Interesse erlischt / INJELITITIS oder die schleichende Büro-Paralyse [..]
(Quelle: amazon.de)
<Literaturempfehlungen>